{"id":328,"date":"2015-10-13T06:15:31","date_gmt":"2015-10-13T06:15:31","guid":{"rendered":"https:\/\/update2022.annapapst.ch\/?p=328"},"modified":"2015-11-06T15:22:36","modified_gmt":"2015-11-06T15:22:36","slug":"ein-kind-fuer-alle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/update2022.annapapst.ch\/?p=328","title":{"rendered":"Ein Kind f\u00fcr alle"},"content":{"rendered":"<p>Ist Kinder zu haben ein Menschenrecht? Und wenn ja, wie wird dieses Recht durchgesetzt? Jahrhundertelang entzog sich die Fortpflanzung jeglicher Kontrolle. Frauen wurden ungewollt schwanger, Menschen blieben kinderlos, obwohl sie sich nichts sehnlicher w\u00fcnschten als ein Kind. Seit relativ kurzer Zeit ist es m\u00f6glich, ein Kind zu bekommen, auch wenn die biologischen Voraussetzungen daf\u00fcr fehlen. Theoretisch. Denn da, wo ein Kind nicht mehr einfach \u201epassiert\u201c, sondern im Labor erzeugt wird, entscheidet nicht mehr das Schicksal, sondern die Gesellschaft, wer Mutter oder Vater wird.<\/p>\n<p>Lesbische Paare oder Alleinstehende d\u00fcrfen in der Schweiz bisher keine Samenspende in Anspruch nehmen. Eizellenspende und Leihmutterschaft sind illegal, was Homosexuellen und unfruchtbaren Frauen die Verwirklichung ihres Kinderwunsches verunm\u00f6glicht. Die Gesetzeslage entspringt der Vorstellung, dass ein Kind Mutter und Vater haben muss und die Eltern nicht mehr als ca. vierzig Jahre \u00e4lter als das Kind sein d\u00fcrfen. Es gr\u00fcndet sich also auf die biologischen Voraussetzungen zur Fortpflanzung. Dabei haben die medizinischen M\u00f6glichkeiten die Natur l\u00e4ngst hinter sich gelassen. \u00dcbrig geblieben sind moralische Bedenken. Die Frage nach der bedingungslosen Erf\u00fcllung des Kinderwunsches erhitzt die Gem\u00fcter. Die Gleichberechtigung aller Menschen kollidiert mit dem Kindswohl, die Selbstbestimmung mit der staatlichen Gesetzgebung. Ein Kind f\u00fcr alle reizt bewusst den ethischen Nerv. Das Projekt begreift sich als Teil einer gesellschaftlichen Debatte, die im Theaterraum befeuert und im Anschluss an die Vorstellung vom Publikum weiter gef\u00fchrt wird.<\/p>\n<p>Alle Menschen, die in der Reportage f\u00fcrs Theater zu Wort kommen, hat Anna Papst zu meist stundenlangen Gespr\u00e4chen getroffen. Sie hat diese Gespr\u00e4che in Zusammenarbeit mit Mats Staub zu Texten verdichtet, die jeweils dem Wortlaut und der Sprachmelodie der Protagonist\/-innen folgen. Es gibt keine Fiktionalisierung \u2013 nur eine Anonymisierung, da viele der Betroffenen nicht erkannt werden m\u00f6chten. Sei es der homosexuelle Daniel Reina, der mit seinem Partner in der USA eine Tochter adoptierte; sei es Franziska Gloor, die sich mit 39 dazu entschlossen hat, ohne Partner Mutter zu werden und die Dienste einer Samenbank in Kopenhagen in Anspruch zu nehmen; oder Marcel B\u00fchler, der in seiner T\u00e4tigkeit als Samenspender in den letzen acht Jahren mehr als 50 Kinder gezeugt hat.<\/p>\n<p>Die Schauspieler Christoph Rath und Jonas Gygax entwickeln ihre B\u00fchnenfiguren, indem sie sich die Sprache, den Tonfall, die Gestik der Interviewpartner zu eigen machen. Auf subtile Weise verflechten sie die Aussagen und Emotionen, die im Gespr\u00e4ch zum Vorschein kamen, zu glaubw\u00fcrdigen Portr\u00e4ts. Die Erlebnisse und Erfahrungen von denen der Theaterabend erz\u00e4hlt \u2013 sei es nun die Entdeckung, dass man gar nicht von dem Vater, der einen aufgezogen hat, abstammt, oder die \u00dcbergabe des soeben ausgetragenen Kindes einer Leihmutter an seine Ziehfamilie \u2013, werden nicht nachgespielt. Es ist vielmehr eine Form von \u201eenacted oral history\u201c\u2013 eine Auff\u00fchrung verschiedener Zeitzeugenberichte, wobei die Zeitzeugen weniger von der Vergangenheit als vielmehr vom Hier und Jetzt erz\u00e4hlen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist Kinder zu haben ein Menschenrecht? Und wenn ja, wie wird dieses Recht durchgesetzt? Jahrhundertelang entzog sich die Fortpflanzung jeglicher Kontrolle. Frauen wurden ungewollt schwanger, Menschen blieben kinderlos, obwohl sie sich nichts sehnlicher w\u00fcnschten als ein Kind. Seit relativ kurzer Zeit ist es m\u00f6glich, ein Kind zu bekommen, auch wenn die biologischen Voraussetzungen daf\u00fcr fehlen. 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